Wie ist ein weiterführenderAbsprung von Heideggers frühem Denken möglich? Die eine Möglichkeit läuft über die Bewegungsphänomene. Diese kommen bei Heidegger in den Brennpunkt seiner Analysen z.B. im WS 1921/22 Phänomenologische Interpretationen zu Aristoteles: Einführung in die phänomenologische Forschung GA61, insbesondere im III. Teil
“1. Kapitel Grundkategorien des Lebens
E. Die Bewegungskategorien. Reluzenz und Praestruktion
a) Die Bewegungskategorien in der Neigung
b) Die Bewegungskategorien in der Abstandstilgung
c) Die Bewegungskategorien in der Abriegelung
2. Kapitel Die Ruinanz
Ruinanz die Bewegtheit, die das Leben in ihm, als es, für sich, aus sich heraus, d. i. gegen sich selbst »ist«”
Dies nur als grober Hinweis darauf, daß für Heidegger das "Leben" (was später in "Dasein" umbenannt wird) als (eine Art bzw. Arten von) Bewegung aufgefaßt bzw. ausgelegt wird, was wohl kaum umstritten werden kann.
Wie in meiner vorigen Post bemerkt geht es im SS 1923 GA63 ausdrücklich darum, den "Seinscharakter" des Daseins in einer passenden zusammenhängenden Begrifflichkeit auszuarbeiten, und zwar in einer "Hermeneutik der Faktizität", wobei in dieser Hermeneutik "Faktizität = jeweils unser eigenes Dasein" (GA63:21). Dabei ist das Dasein nicht der Mensch, sondern eine Seins- bzw. Anwesungsweise, die uns Menschen angeht, an der wir als Menschen teilhaben und die Heidegger auch "Existenz" nennt. Somit werden die Kategorien der traditionellen Ontologie in dieser Daseinsontologie zu Existenzialien. ("Vorhabe der Hermeneutik die eigenste Möglichkeit des Daseins, die Existenz; ihre Begriffe sind Existenzialien" (GA63:16))
"Jeweils unser eigenes Dasein" kann verstanden werden als die Existenz des einzelnen Daseins insbesondere als Selbst. Die Existenz des einzelnen Daseins jedoch ist umfassender als ein vereinzeltes Dasein, sondern — insofern das Selbst eine Selbstwelt hat — umfaßt notwendig auch das Miteinandersein als zum "Seinscharakter" des Daseins gehörig. Dies erfordert aber, daß "das eigene Dasein" eigentlich in einer Pluralität gedacht werden muß: den Einzelnen als Einzelnen 'gibt' es nur im Miteinander. Um dieses Miteinander als Seinscharakter des Daseins zu begreifen, bedarf es u.a. eines Begriffs der eigentümlichen Bewegungsart des Miteinanders, in der Dasein und Dasein sich begegnen. Die betreffende Bewegungsart ist alles andere als ein lineares Nacheinander, sei es als Aktion und Reaktion, d.h. als Interaktion, zu begreifen, sondern als ein gegenseitiges Schätzspiel, in dem die Spieler sich ständig gegenseitig schätzen, und zwar in allen möglichen Schattierungen, die die Phänomenalität des Schätzens hergibt. Von daher könnte man von einem Geschätz aller möglichen Spielarten des gegenseitigen Schätzens (τιμἠ) sprechen, das das Miteinandersein wesenhaft charakterisiert. Soweit ich sehe, hat Heidegger diese Bewegungsart des Lebens bzw. des Daseins als Schätzspiel nicht gesehen, geschweige denn ausgearbeitet.
Die Bewegungsart des gegenseitigen Schätzspiels läßt sich überhaupt nicht von der linearen Zeit des Nacheinander der Jetzte fassen, sondern bedarf als erstes der Offenheit der Gabe der dreidimensionalen Zeit, die erst die Freiheit in der existenziellen Bewegung, d.h. die Bewegungsfreiheit der Spieler im Schätzspiel, ermöglicht. Die Begegnung zwischen Dasein und Dasein ist ein gegenseitiges Geben von Schätzungen des Anderen, das als freies Interplay (Wechselspiel) zu bezeichnen ist, da die Züge in diesem Wechselspiel nicht kausal-linear erfolgen. Denn die drei zeitlichen Dimensionen sind unabhängig voneinander (was Heidegger nicht deutlich sieht), was auch den Spielern selbst viel Spielraum mit überraschenden, unkalkulierbaren Zügen läßt. Damit geht einher, daß erst mit diesem existenziellen Bewegungsbegriff es überhaupt möglich wird, die Bewegtheit des Miteinanders auch als ein Kräfte- und Machtspiel auszulegen, das gewissermaßen zur Kehrseite des gegenseitigen Schätzspiels gehört. Denn die Spieler im Schätzspiel bewegen sich durch die Äußerung ihrer Kräfte und Mächte.
Aus meiner Sicht bedarf ein phänomenal adäquater Begriff der gesellschaftlichen und politischen Macht der Gründung in der existenziellen Ontologie des gegenseitigen Schätzspiels. Soweit ich sehe, ist dies bisher nirgends — weder in der Philosophie noch in den Sozialwissenschaften — geleistet. Dabei ist das gegenseitige Schätzspiel keineswegs ein Vorgestelltes, sondern eine hermeneutische Auffassungs- und folglich eine Anwesungsweise unseres eigenen geteilten Daseins in der Bewegtheit des Miteinanders.
Das Verhältnis des Daseins zur Natur, zu den Dingen, die nicht an der Seinsweise des Daseins teilhaben, kann gleichsam als einseitiges oder verkürztes Schätzen aufgefaßt werden. Bodenschätze z.B. sind als bloße Naturressourcen vergegenständlicht und somit unterschätzt. Die Elektronen z.B. werden skrupellos ausgenützt um des Stroms willen, der als eine physische, technisch beherrschte Bewegungsart unsere eigene Lebensbewegtheit auf der Erde wesentlich unterstützt und erleichtert oder vielmehr sie in dieser modernen Weise der Bequemlichkeit erst ermöglicht. Auch die reine Bewegungsenergie der Photonen wurde von der modernen mathematisierten Physik als solche entworfen, um physische Bewegungsphänomene wirkkausal zu erklären, und so unter die wissende Herrschaft über die physische Bewegung zu bringen. Es wird nicht gefragt, ob dabei das Phänomen Photon unterschätzt worden ist, sondern nur, ob die Auffassungsweise der Photonen als reiner Bewegungsenergie effektiv ist.
28 April 2021
Bewegungsphänomene, Schätzspiele
25 April 2021
Zu Heideggers Vorlesung SS 1923 GA63
Erst 1923 im SS Ontologie (Hermeneutik der Faktizität) GA:63 hat er m.E. die Spur gefunden, die ihn viel weiter bringen wird, und zwar in einer hermeneutischen Ontologie der Faktizität, wobei Faktizität "das eigene Dasein als befragt auf seinen Seinscharakter" (GA63:29) bedeutet. Da erscheint eine durchdachte Begrifflichkeit, die Rede ist nicht mehr vom "Leben", sondern vom "Dasein".
"Die Hermeneutik hat die Aufgabe, das je eigene Dasein in seinem Seinscharakter diesem Dasein selbst zugänglich zu machen, mitzuteilen, der Selbstentfremdung, mit der das Dasein geschlagen ist, nachzugehen. In der Hermeneutik bildet sich für das Dasein eine Möglichkeit aus, für sich selbst verstehend zu werden und zu sein." (GA63:15)
Das je eigene Dasein bleibt von sich selbst entfremdet, solange es seinen eigenen Seinscharakter nicht versteht. Dieses Sich-selbst-Verstehen erfordert Begriffe, nämlich hermeneutisch-ontologische Begriffe, die sich an die Phänomenalität des Daseins anschmiegen und damit zu "Existenzialien" werden.
"Das »Heute« nach seinem ontologischen Charakter, als Wie der Faktizität (Existenz), kann voll erst bestimmt werden, wenn explizit das Grundphänomen der Faktizität sichtbar geworden ist: »die Zeitlichkeit« (keine Kategorie, sondern Existenzial)." (GA63:31)
Hier kommt die Zeitlichkeit, die keine Rolle in GA58 gespielt hat, zum Durchbruch, und das Grundphänomen der Faktizität des eigenen Daseins entpuppt sich als die Zeitlichkeit! Ich bin also die Zeit selbst auf meine je eigene Weise! Du bist also die Zeit selbst auf deine je eigene Weise! Existenziale betreffen nicht, was das Dasein, sondern wer jeweils das Dasein-in-der-Welt eines geschichtlichen Zeitalters ist. Viel später — in seinem Vortrag 'Zeit und Sein' (1962) — wird das Dasein insofern die vierte Dimension der offenen Zeit, als die dreidimensionale Zeit es er-reicht. 1923 ist es jedoch noch nicht so weit: "Das eigene Dasein ist, was es ist, gerade und nur in seinem jeweiligen »Da«." (GA63:29) Und dieses "Da", wie es sich herausstellen wird, ist die je eigene dreidimensionale Zeitlichkeit selbst, wie sie je eigens in ihrer jeweiligen Stimmungsresonanz erfahren wird. Diese Zeitlichkeit ist aber auch das, was wir unentrinnbar miteinander teilen, und somit die ontologisch-existenziale Grundlage alles Miteinanders, alles Wir. Die Zeitlichkeit als Offenheit des Da ist auch die geschichtliche Offenheit für den jeweiligen Seinsentwurf, d.h. für das hermeneutisch-ontologische Gerüst eines Zeitalters, wobei sich die Seinsentwurfe verschiedener Zeitalter auch überlagern können und somit 'koexistieren'. Das hermeneutisch-ontologische Gerüst erfordert eine eigene zusammenhängende Begrifflichkeit, damit der geschichtliche Geist eines Zeitalters explizit (an und für sich) ausgelegt wird. Die "Bedeutsamkeit" von GA58 wird zum "Begegnischarakter der Welt" (GA63 II. Teil, 4. Kap.)
"Es kommt auf hermeneutische Explikation an, nicht weltlicher Bericht über das, was »los ist«." (GA63:30) Also kein unendliches soziologisches Projekt im Geist des Positivismus, das das Empirische unendlich erforscht und erzählend aufbereitet und so vor lauter Bäume den Wald nicht sehen kann.
Mit diesem fundamentalen Verständnis des Grundphänomens des Da des Daseins kann man sich dann weiter an andere Grundphänomene im geschichtlichen hermeneutisch-ontologischen Gerüst heranwagen, um das je eigene Dasein in seiner vollen Phänomenalität zu explizieren, d.h. auszulegen, z.B. an das Grundphänomen der Wertdinglichkeit, die nach Existenzialien, nicht nach Kategorien ruft. Diese Aufgabe wird gestellt, auch wenn Heidegger selbst dieses phänomenologisch-hermeneutische Problem nie gesehen hat. Die einfachen, alltäglich gegebenen Phänomene sollen die Führung für die Aufgaben des Denkens übernehmen und auch als Prüfstein dienen. Geschieht dies nicht, besteht die große, schon längst eingetretene Gefahr, daß die Auseinandersetzung mit Heideggers Denken in eine Gelehrsamkeit abdriftet, und sich damit in einer bloßen Heidegger-Exegese mit dem ewigen Hin-und-Her der Heidegger-Gelehrten zu verlieren. Heidegger-Exegese — wie die ganze Gelehrtenphilosophie heute überhaupt — ist ein ganz netter Zeitvertreib, aber kein schöpferisches Denken, das etwas wagt.
Zu Heideggers Vorlesung WS 1919/20 GA58
Mir fällt auf bei Heideggers Erörterungen des lebendigen "Erfahrens" in einer Situation und dann der Erinnerung desselben in der "Kenntnisnahme", daß er von einem "Strömen" sowohl des Erfahrens selbst als auch der Kenntnisnahme beim Erzählen, d.h. von einer kontinuierlichen Bewegung des "Mitgehens" ausgeht, statt auf ein 'Hüpfen' und 'Springen' des Geistes durch Vergegenwärtigung frei durch alle drei zeitlichen Dimensionen aufmerksam zu machen, was seine Beispiele aus dem faktischen Leben durchaus hergeben. Heideggers Denken wird diese Einischt in die eigenartige Bewegung der Vergegenwärtigung auch nie klar erlangen. Dies aber zunächst einmal nur nebenbei bemerkt.
In den MS-Seiten zum Schlußteil der Vorlesung faßt Heidegger ihren Gang und die Absicht zusammen "Die vordeutende Heraushebung der drei Charaktere »Selbstgenügsamkeit«, »Ausdruckszusammenhang«, »Bedeutsamkeit« als vorfindlich im faktischen Leben geschah in der methodischen Absicht, damit wegzeigende Motive verfügbar zu machen für ein möglichst konkretes Erfassen des Lebens selbst. Dieses Erfassen wurde angesetzt als Ursprungsverstehen des Lebens." (GA58:139)
Die drei "Charaktere" sind gut angesetzt, um möglichst nah am faktischen Leben zu bleiben, aber das "Ursprungsverstehen des Lebens" wird und kann so nicht erreicht und begriffen werden. Die Vorlesung schließt, ohne daß ein "Ursprungsverstehen des Lebens" sichtbar wird. Von seinem Ausgangspunkt und seiner Zielrichtung aus sind nur phänomenologische Einzelanalysen von "Situationen" erreichbar — etwa in einem erweiterten — da situations- statt gegenstandsbezogenen — Husserlschen Sinn. Heidegger befindet sich auf einem seiner berühmten "Holzwege". Die Ängstlichkeit gegenüber der Vergegenständlichung, die so 'selbstverständlich' in den Wissenschaften — vor allem in der Psychologie — praktiziert wird, hält ihn davon ab, eine Begrifflichkeit zu entwickeln, die "für ein möglichst konkretes Erfassen des Lebens selbst" taugt. Somit wird später — etwa in Sein und Zeit (1927) — die Bedeutsamkeit in die "Bewandtnisganzheit" (SuZ §18) des Zeugs als einen Begriff der "Weltlichkeit der Welt" (SuZ §18) verwandelt. In der Zwischenzeit gewinnen seine Auseinandersetzungen mit Platon und Aristoteles an Schärfe, so daß es ihm letztendlich möglich wird, so etwas wie den Seinsentwurf eines Zeitalters zu sehen als das "Ursprungsverstehen des Lebens". Dieser Seinsentwurf, solange er nicht explizit abgehoben wird, herrscht in einer gegebenen geschichtlichen Welt als selbstverständlich vor und 'verblendet' so die Menschen (vgl. "Verblendungszusammenhang" Adorno, der damit ausnahmsweise bezüglich der Wertdinglichkeit den Nagel auf den Kopf trifft).
Um vom Bewußtsein zum Da (der Zeitlichtung — in meiner Begrifflichkeit) zu kommen, muß Heidegger sich mehrfach denkerisch verwandeln. Die Verwandlung eines 'selbstverständlichen' geschichtlichen Weltverständnisses erfordert viel mehr als phänomenologische Einzelanalysen von Situationen. Die geschichtliche Verwandlung des Geistes selbst ergibt von sich aus eine alternative Welt. So ist der eigentliche philosophische Kampf: anders, möglichst nah an den elementarsten Phänomenen des Lebens selbst, denken zu lernen, um sie anders sehen zu können. In der heutigen "Zugrichtung des Lebens" scheint dies völlig unmöglich zu sein. Der Zug fährt weiterhin in den alten, bequemen Bahnen einer 'selbstverständlichen' Vergegenständlichung aller Wesenden, d.h. aller An- und Abwesenden in der Zeitlichtung, um all ihre Bewegungen durch Berechnung und (vorzugsweise) wirkkausale Erklärung möglichst in den Griff zu bekommen.
Mit 17 Jahren habe ich Kafkas unvollendeten Roman, Der Prozeß, zum ersten Mal in englischer Übersetzung gelesen. Er hat mich bis heute nicht losgelassen. Das war meine erste (von Kafka zur Sprache gebrachte) Erfahrung von der Fremdheit der Welt, ihrer Fragwürdigkeit, die mich letztendlich in die Philosophie führte. Nicht in eine bequeme Philosophie der 'Consolatio' und der 'Weisheit', sondern in eine des radikalen In-Frage-stellens der Selbstverständlichkeit meiner geschichtlich gegebenen Welt. Das Allerschwierigste an diesem In-Frage-stellen des Selbstverständlichen besteht darin, daß in der Erfahrung seiner bzw. ihrer jeweiligen Welt jeder und jede schon alles — sogar auch die Tiefendimension des Ontologischen — sehr gut vorontologisch versteht und deshalb nicht einsieht, warum man sich mit anscheinend banalen und selbstverständlichen Phänomenen herumschlagen müßte, um das implizite vorontologische Wissen auf die Ebene eines expliziten ontologischen Wissens zu heben.
21 March 2021
Vom Bewußtsein zum Da: Schätzung
Skizzenhaftes aus einem Dialog mit einem Philosophen-Freund
Für die geschichtliche Verwandlung des Geists vom Bewußtsein zum Da-sein, was Heidegger "Ortsverlegung" (Zähringer Seminar Fr. 07.09.73) nennt, sehe ich die Notwendigkeit, die gewaltsame Verkehrung der verschiedenen Elementarphänomene unserer Welt unter der Herrschaft des eindimensionalen Zeitverständnisses überall im Einzelnen auszuarbeiten. Mein Anspruch ist es, die phänomenologische Gewalttätigkeit des hermeneutischen Als unserer heutigen Weltauslegung unter der Herrschaft des unbedingten Willens zur Macht über jedwede Art der Bewegung/Veränderung in den verschiedenen Phänomenbereichen aufzuzeigen. Dies geht mit dem die Vorstellungsweise der Wirkkauslität ermöglichenden eindimensionalen Zeitverständnis wesentlich einher. Da sind endlose Verkehrtheiten, die aber als selbstverständlich gelebt und nicht hinterfragt werden. Mit dem Hinterfragen von anscheinenden Selbstverständlichkeiten wird auch die Möglichkeit einer Verwandlung unserer epochalen Denkweise gezeigt und praktiziert.
Von 'drinnen' ist eine solche Verwandlung wortwörtlich undenkbar, zumal die Selbstzufriedenheit der vorherrschenden Denkweisen immer selbstzufriedener wird. Von 'drinnen' hat 'man', soweit ich sehe, zu der Vielfältigkeit der verkehrten Denkweisen phänomenologisch nichts zu sagen. Diese verkehrten Denkweisen, die Welt in ihrem Griff halten, sind nur aus dem Schritt zurück von ihnen zu erfahren. Heideggers tiefgehende Einsicht, die dem heute noch in allen Wissenschaften vorherrschenden metaphysischen Denken den Grund entzieht, kann mit einem knappen Zitat von Heidegger gesagt werden: "Sein besagt Anwesen" ('Zeit und Sein' 1962). Die phänomenologische Entfaltung dieser Grundeinsicht führt dazu, den Sinn des Seins selbst als die dreidimensionale, "ursprüngliche" Zeit zu bestimmen. Und von diesem radikalen Neuansatz heißt es dann, weiter zu denken. Denn ein alternativer hermeneutischer Entwurf eines so grundlegenden Phänomens wie der Zeit hat Konsequenzen für die Auffassungsweise aller weiteren Phänomene, d.h. für ihre Deutung-als....
Zugleich erfordert Heideggers Vernachlässigung gewisser Elementarphänomene auch ein Weiterdenken, das sein Denken auf eine höhere Ebene hebt, d.h. im Hegelschen Sinne dreifach aufhebt (negiert, bewahrt, erhöht). Dieser Mangel betrifft in erster Linie die Phänomenbereiche des Miteinander wie z.B. die Gerechtigkeit, die Freiheit, die Vergesellschaftung durch das Medium des verdinglichten Werts.
Die geschichtliche Verwandlung des Geists vom Bewußtsein zum Da-sein erfordert also die Überwindung der Selbstverständlichkeit, daß die Seienden 'da draußen' in der Welt Gegenstände gegenüber einem Bewußtsein sind, das sich irgendwie 'drinnen' aufhält. Für mich ist Gegenständlichkeit der hermeneutische Entwurf des Seienden als solchen für ein Bewußtseinssubjekt und innerhalb seiner Subjektivität in dem geschichtlichem Zeitalter der Neuzeit. Verwandlung unserer Denkweise schließt demnach insbesondere die Aufhebung der Innen/Außen Spaltung im subjektivistischen Denken zwischen einem inneren subjektiven Bewußtsein und einer äußeren objektiven Welt ein.
Ein Schlüssel zur Verwindung der Gegenständlichkeit in unserer selbstverständlichen Denkweise heute liegt für mich im Phänomen der τιμή, d.h. der Schätzung, und zwar als fundamentaler Alternativentwurf zur Vergegenständlichung des Seienden im Ganzen. Diese Vergegenständlichung des Seienden wurde geschichtlich von Anfang an durch den ontotheologischen unbedingten Willen zur Macht vorangetrieben und dann ins Extem getrieben in dem, was bei Heidegger Ge-Stell heißt: die Verabsolutierung der τέχνη ποιητική, die bereits beim allerersten (Aristotelischen) Entwurf einer Bewegungsontologie ansetzt, wobei in diesem Entwurf die vielen anderen Arten der τέχναι, die die Griechen in ihrer Welt kannten, 'übersehen' wurden. Oder eher: für den Willen zur Macht über die Bewegung waren sie nicht geeignet. Seitdem heißt 'Wissenschaft' im Westen das Bestreben, Bewegungen jedweder Art zu beherrschen.
Hingegen zeigt die Schätzung eine Offenheit für all das, was in der dreidimensionalen Zeit an- und abwest, d.h. überhaupt west, ohne unbedingt seine Bewegtheit beherrschen zu wollen. Das Wesen wird damit vollkommen verbal, d.h. beweg-lich, von der 3D-Zeit her gedacht und erfahren, es verliert seine substantivistischen Züge. Οὐσία heißt dann als Wesenheit oder vielmehr als Wesung (verbal) etwas ganz anderes als es in der ganzen metaphysischen Tradition bedeutet: nämlich, Wassein. Das Wesen der Wesenden in der 3D-Zeit wird fortan geschätzt statt zum Zweck der Herrschaft vergegenständlicht (bzw. im Ge-Stell gestellt) zu werden. Die Wesenden sind sowohl Was- als auch Werwesende, was das westliche Denken im 'ersten Entwurf' nie gedacht hat und unter dem unheimlichen Willen zur Macht nicht denken konnte. Das traditionelle metaphysische Denken war und ist bis heute immer darauf aus, alles Was- und Werseiende als Was zu denken, nämlich, als Wesen im substantivischen Sinn, und von daher ihre Bewegungen berechnend (heute zunehmend automatisiert algorithmisch) zu beherrschen.
Für die werseienden Menschen, d.h. für uns alle, hat dieser unheimliche Wille zur Macht die Konsequenz, daß sie immer mehr zum Spielball von verschiedenen Machtspielen werden, zumal die Psychologie die Psyche selbst als eine Art Was denkt (daher der Neurowissenschaft mit ihren ungeheuren Machtbestrebungen zugänglich) und eben nicht als die Offenheit der dreidimensionalen Zeit selbst. Wir können aber auch die Wesenden — egal ob als Was oder als Wer — schätzen (und tun dies bereits teilweise implizit), indem wir durch Denken explizit verstehen lernen, daß sich die Wesenden in der 3D-Zeit als Zu-Schätzende öffnen. Die Öffnung der Wesenden als Zu-Schätzenden ist — vermittelt eben durch die 3D-Zeit — letztlich Gabe des Ereignisses, dessen allererste Gabe die Zeitlichtung ist. Da der Herrschaftsanspruch der Vergegenständlichung in dieser alternativen Denkweise verwunden wird, werden alle unseren Lebensbewegungen mit den als Was Wesenden sowie miteinander als Werseienden zu einem Schätzspiel, wobei dieses Schätzspiel freilich auch in deformierten, abträglichen, gar zerstörerischen Spielweisen gespielt werden kann und wird. Im Miteinander ist das Schätzspiel in unserer geteilten Lebensbewegtheit ein gegenseitiges Spiel der Kräfte.
Im Alltagsleben der Gesellschaft (kurz: Einkommenverdienen) wird das Schätzspiel im Medium des verdinglichten Werts als Gewinnspiel gespielt. Solange dieses Medium des verdinglichten Werts nicht durchschaut wird, werden wir Menschen bloß auf Spieler in einem Gewinnspiel reduziert, in dem es Gewinner und Verlierer gibt. Alle Spieler werden so oder so zu Sklaven des Strebens nach mehr und mehr. Die Alternative dazu? Einsehen zu lernen und einzusehen, daß unser alltägliches Schätzspiel nicht notwendig ein kompetitives Gegeneinander sein muß, sondern daß es die geschichtliche Möglichkeit eröffnet. daß hinter dem Schleier des verdinglichten Werts unser Schätzspiel ein unendliches Füreinander sein kann.
Hintergrundlektüre: Das Ende der Wissenschaft und der Anfang der Weisheit
18 February 2021
Cyberworld and cybersecurity
AI in Cybersecurity colloquium hosted by Arizona State University, Institute for the Future of Innovation in Society 17/18 Feb. 2021
Expanded outline of my talk for the colloquium.
0) The distinction between a posteriori and a priori
knowledge: A posteriori knowledge is so-called
'evidence-based' knowing that is based on empirical knowledge
after the
facts, and thus, in an important sense, comes too late.
A priori knowledge, by contrast, is knowledge of the elementary
phenomena before the factual events of empirical
experience. It concerns how empirical facts are already
cast or framed prior to particular experience of them. A priori knowledge thus frames in advance our access to the world, i.e. how we interpret the most elementary phenomena in our age. It therefore enables insights that an empiricist mind-set, arriving after the event, cannot.
1) The
bigger picture on cybersecurity from a philosophical, i.e. a priori, pre-empirical, perspective: We
live in the age of progressive algorithmization of the world that thus increasingly becomes the cyberworld steered by
bit-strings. Algorithms
outsource a segment of our understanding of
some movement or other to the cyberworld
with the aim of automatically controlling,
mastering it. Bit-strings are the denizens
of the cyberworld that are in constant interplay
with one another, algorithms
being the bit-strings that copulate with data bit-strings (in trillions of Universal Turing
Machines) to
compute progeny bit-strings that control movement/change of
some kind, either within the cyberworld itself, where the
bit-strings circulate, or in the physical
world. UTMs therefore are conceived
within the venerable paradigm of efficient,
productive movement — everything under control! This conception is pre-empirical, and no one will ever be able go out into the cyber-network and establish the empirical existence of UTMs. Nevertheless, the cyberworld is inhabited by bit-strings in unceasing algorithmic copulation.
2) Any
algorithmic bit-string in a UTM, however, can be infiltrated
by a virus bit-string to alter how the movement
is controlled, thus subverting the paradigm of
efficient, productive movement.
Hence what was conceived as the unambiguous,
dead-certain, automated control of movement via
bit-string code is subverted into an ambiguous, uncertain
interplay among many players injecting bits of digital code
into the cyberworld. The uncontrollable interplay
with which cybersecurity is concerned can be
characterized as
algorithmic bit-strings in antagonistic
interplay (or even at war) with
one another in order to usurp control over movement
to the detriment of the opposing player, i.e.
the adversary, who may be a state, a government agency, a company, an
institution or an individual. The automated, algorithmic outsourcing of our understanding and control of movements in the world to the cyberworld that also enables the viral infection of bit-strings is a momentous, unparalleled world-historical event, by subverting, once and for all, the venerable paradigm of efficient, productive movement that is the hallmark of all Western science: automated movement controlled by a single source can now be countermanded and outsmarted by another, adversarial, automated source. If all movement in the
social world is power-interplay that
requires mutual estimation (in the
twofold, both appreciative and depreciative,
sense) to negotiate it successfully, the cyberworld of bit-strings now enables this ubiquitous power-interplay to be outsourced and thus played out also via certain things called bit-strings. Our human conflicts can now be fought out, and even automated, via bit-string surrogates.
3) Moreover, the cyberworld movement intermeshes
with the augmentative movement of
thingified value (roughly: anything that has a
price) through whose medium, in the first place,
economic interplay is played out globally today in the
gainful game in which we are all
players and have stakes, above all as income-earners of all
kinds, starting with wage-earners. The value-form transformations that thingified
value has to pass through in order to augment are
facilitated by
algorithmic steering in the cyberworld, e.g.
supply-chain management, logistics, accounting, market
information, etc. Such algorithmic control, however,
cannot guarantee that the gainful game runs smoothly
and surely, augmenting thingified value in its circular movement.
On the contrary, the gainful game interplay is
itself inherently uncertain since the value-form transformations themselves depend on an inherently uncertain, transactional interplay.
4)
Thingified value in itself also has a social power over
movement that goes beyond the global economic interplay.
It exerts its power, in particular, in politics
(lobbying, political donations, etc.) and is the medium also for cyber-criminality
whose villainous business model employs viral
bit-strings to defraud and extort thingified
value from victims, including state agencies, public
utilities, public health institutions as well as
private persons and entities. Hence the current
increasing concern over cyber-attacks and
cyber-vulnerabilities in an increasingly algorithmically steered world.
5) But even apart from the dangers of cyber-attacks
and illicit cyber-interplay, even in 'legitimate'
interplay that is not subverted by viral bit-strings, we are all captive to thingified value
as the medium of our sociation with
one another, and we are becoming increasingly
controlled in our life-movements of every kind by
what the algorithms, intermeshed with the turnover
of thingified value, dictate what we can and cannot
do. All the more reason for learning to see i) through the fetishizing veil of thingification and ii) the ambiguous, power-interplay nature of algorithmic control over movement.
Further reading: 'Turing's
cyberworld of timelessly copulating bit-strings'
Movement
and Time in the Cyberworld
and Social Ontology of Whoness.
16 February 2021
Pleon Exia in den U.S.
Große Sorge habe ich um den politischen Zustand sowie die
Zukunft überhaupt der U.S., auch wenn ich nicht dort
lebe. In den letzten Jahren habe ich das politische Geschehen in
den U.S. und speziell in Washington oft mit Entsetzen und
Unglauben verfolgt, und die Diagnose von 'plutokratisch
deformierter Demokratie' für mich formuliert.
Inzwischen sehe ich diese
Diagnose immer noch als richtig, aber nicht wahr an. Die Wurzel
der Malaise liegt nämlich viel tiefer, ja sie ist
sozio-ontologischen Ursprungs: das Ideal (_idea_) des
Amerikanischen Traums selbst scheint mir kein geschichtlich
tragbarer sozio-ontologischer
Entwurf zu sein, denn er läuft darauf hinaus, jeder und jede
als willige, begierige Spieler in dem Spiel zu
rekrutieren, das ich das Gewinn-Spiel nenne. Dieses Spiel wird
im vergesellschaftenden Medium des verdinglichten Werts
gespielt. Die Bewegtheit dieses Spiels ist die sichverwertende
Bewegung des verdinglichten Werts selbst. Wir sind
heute alle Spieler in diesem Gewinn-Spiel, aber in den U.S.
wird dieses Spiel als der Amerikanischer Traum schlechthin
bejaht. Es wird dort besonders hart als Hardball-Spiel (v.a. gegen die Schwarzen) gespielt.
Der hysterische Antikommunismus, der erfolgreich in den
letzten 100+ Jahren — vor allem im Film und Fernsehen —
kultiviert und indoktriniert wurde, hat die U.S.-Amerikaner
vor allem sehr dumm gemacht, so daß sie nicht einmal sehen,
daß sie Suckers des Gewinn-Spiels geworden sind. Die
Republikaner sind unwissentlich die verbissensten Befürworter
und Konservierer des höchsten Werts des Konservatismus,
nämlich, der Vermehrung des verdinglichten Werts in seinen
verschiedenen Wert-Formen, d.h. in ihren verführerischen
Wert-Anblicken wie Privateigentum, Unternehmergewinn, Zins, Grundrente, Grundbesitz,
Aktienbesitz, Dividenden, Aktienkursgewinne,
Pensionsansprüche, Lohn.
Ich nenne den Gott dieses ungehemmten, heute global gespielten
Gewinn-Spiels Pleon
Exia. Der Name kommt vom Griechischen _pleonexia_,
wörtlich 'mehr haben', nämlich vor allem 'immer mehr haben
wollen'. So verkörpert Pleon Exia als Gott den ungehemmten
Willen nach mehr und mehr verdinglichtem Wert im nicht
enden-wollenden Gewinn-Spiel. Vielleicht gehen die U.S. —
von innen durch das Gewinn-Spiel
aufgefressen — blindlings an dieser Hardball-Spielart
zugrunde. Wir alle sind blindlings dem Gewinn-Spiel
ausgesetzt, solange wir die sozio-ontologische Sicht nicht erlernen.
Dazu habe ich einen Philorock-Song Pleon Exia geschrieben und
aufgenommen. Die Aufnahme habe ich mit Jeff Todd aus Fort Worth TX gemacht, Professor für europäische
Sprachen und auch Saxophonist.
15 February 2021
Von Willy P. zum Quantumcomputer
Seit einigen
Jahren nenne
ich den unbedingten Willen zur Macht über jedwede Art der
Bewegung der
Kürze halber Willy
P. Er ist
der verborgene
Gott der
Technowissenschaft.
Zusammen mit
seinem
Bruder-Gott
Pleon Exia
— der angebetete Gott des Gewinn-Spiels — beherrscht
Willy P. den
Zeitgeist.
Dementsprechend
unterwerfen
wir uns alle
unwissentlich
diesen beiden
Göttern. Was
aber hat Willy
P. mit der eindimensional-linearen
Zeit zu tun?
Antwort:
alles. Vor
zweieinhalb
Jahrtausenden
hat
Aristoteles
die 1D-lineare
Zeit entworfen
und im
Einzelnen
durchdacht in
seiner Physik.
(Die Physik
als die
Wissenschaft
der Bewegung
beansprucht
heute immer
noch mit
Erfolg, die
fundamentale
Wissenschaft
zu sein.) Die
lineare Zeit
(ob gerade
oder zyklisch
linear macht
hier keinen
Unterschied),
die für die
Wirkkausalität
(Ursache, dann Wirkung) unerläßlich
ist, ist aber
von Anfang an
und bis heute
mit einem
Widerspruch
zwischen der
zählbaren
Unendlichkeit
der
diskret-gezählten
Zeit
einerseits und
der
unzählbaren
Unendlichkeit
der
kontinuierlichen
Zeitlinie
andererseits
behaftet. Denn
für
Aristoteles
ist die Zeit
beides! Er hat
arithmetische
Vorstellungen
mit
geometrischen
Vorstellungen
der Zeit als
einer
irgendwie
physischen
Größe
vermengt,
genauso wie
heute dies
noch in der
Physik ohne
weiteres
geschieht. Insofern
bleibt die
Idee der
linearen Zeit
inkohärent.
Seit den
Anfängen der
griechischen
Mathematik ist
diese mit der
merkwürdigen
Inkommensurabilität
zwischen den
diskreten
rationalen
Zahlen und dem
Kontinuum der
irrationalen
Zahlen
vertraut.
Diese Inkommensurabilität
erzwingt
später im 17.
Jh. mit
Descartes,
Newton und
Leibniz die
Erfindung
eines
merkwürdigen
Kalküls,
nämlich der Infinitesimalrechnung,
um mit der
Mathematisierung
der Physik als
der Wissenschaft
der Bewegung
ernst zu
machen. Denn
die Infinitesimalrechnung kittet — nicht ohne Schummeln —
die
Inkommensurabilität
zwischen dem
Diskreten und
dem
Kontinuierlichen.
Das Schummeln
wurde erst in
der 2. Hälfte
des 19. Jh.
durch K.
Weierstraß und
R. Dedekind einigermaßen
behoben. Mit
Hilfe der
Infinitesimalrechnung
wurde
nichtsdestoweniger
die physische
Bewegung in
der
kontinuierlichen,
linearen Zeit
durch die
Differenzierung
sowie die
Integration
berechenbar.
Damit wurde
einer
erheblichen
Machterweiterung
von Willy P. Genüge getan.
Um die
Jahrhundertwende
jedoch wurde
eine diskrete
Quantisierung
der Physik
durch
Anomalien in
der Theorie
der
elektromagnetischen
Strahlung
erzwungen
(unendliche
Energie durch
zunehmende
Frequenz!).
Die
Planck-Konstante
mußte zum
großen
Mißfallen der
Physiker
selbst
eingeführt
werden, um die
Energie, d.h.
Beweglichkeit,
eines
Teilchens zu
quantisieren
(vgl.
Einsteins
photoelektrische
Experimente
1905). Diese
Quantisierung
führte
letztendlich
über Einstein
und andere im
Jahr 1925 zur
Formulierung
der
Heisenbergschen
Quantenunbestimmtheit in der Bewegung von subatomaren Teilchen: die
eindeutige,
wirkkausale,
mathematisierte
Herrschaft
über die
physikalische
Bewegung durch
die Physik war dahin und
mußte
zugunsten
einer
bloßen Wahrscheinlichkeitsberechnung
der sog.
'Evolution'
von
mehrdeutigen dynamischen
Zuständen
aufgegeben
werden. Es
widerstrebte
Einstein
selber
zutiefst, die
eindimensionale Wirkkausalität (und damit implizit und bis heute
unerkannt die
eindimensionale Zeit selbst) in der Physik der Teilchen aufzugeben. Aber
die Bewegung
von Teilchen
wie Photonen
und Elektronen
mußte dennoch
diskret
quantifiziert
werden. Der
latente
Widerspruch
zwischen den
diskreten,
rationalen
Zahlen und dem
irrationalen
Kontinuum war
in der
Wissenschaft
der Bewegung
des
Beweglichen
offen zu Tage
getreten.
(Deshalb die
Problematisierung
des Kontinuums
in den 1910er
Jahren etwa
durch Hermann Weyl in seinem Das Kontinuum 1918.)
Aber Willy P.
wäre nicht
Willy P., wenn
es ihm nicht
einfiel, wie
die
Quantenunbestimmtheit
in der
Teilchenbewegung
doch zu einer
Steigerung
seiner
Berechnungsmacht
über die
Bewegung
führen könnte.
Wenn die
Quantenunbestimmtheit
(bei extrem
niedrigen Temperaturen) auf die Wahl
zwischen genau
zwei
verschiedenen
dynamischen
Zuständen
beschränkt
werden könnte,
dann hätte man
Qubits, die in
einem
unbestimmten
Zustand
zwischen 0 und
1 schweben.
Dieser
Schwebezustand, die aus der Superposition von zwei verschiedenen Bit-Zuständen gleichzeitig,
ermöglicht die
parallele
Berechnung mit
beiden
möglichen
binären
Bit-Werten
gleichzeitig.
Dies erlaubt eine exponentielle Steigerung der Anzahl der darstellbaren Konfigurationen. Mit lediglich 30
Qubits steigt
die Anzahl der Konfiguration Anzahl der darstellbaren Konfigurationenauf 2 zu der
30x2=60. Potenz (2exp(60)). Eine
Berechnungskraft
in dieser
Größenordnung
würde die
Berechnungskraft
aller Computer
auf der Erde
heute
übersteigen. Im Vergleich dazu können 30 konventionelle Bits lediglich 2 zu der 30. Potenz (2exp(30)) Konfigurationen darstellen.
In den letzten
paar
Jahrzehnten
haben wir den
Einbruch der
Cyberwelt in
unsere Welt
erfahren und
stehen noch am
Anfang dieser
Entwicklung,
in der die
Cyberwelt
progressiv
unsere
physische und
gesellschaftliche Welt in sich absorbieren wird. Mit den kommenden
Quantencomputern
wird die
digitale
Berechnungskraft
exponentiell
steigern — mit
unabsehbaren
Folgen für
unsere
Lebensbewegungen
in der Welt,
denn die
Quantenalgorithmen
werden
zunehmend
kybernetisch
immer stärker
in unsere
Lebensbewegungen
eingreifen und steuern, was
wir tun können
und nicht tun
können.
Wir werden
aber dieses
Geschenk von
Willy P. der
Bequemlichkeit
halber und
v.a. wegen des
Versprechens
der Heilung
von bisher
unheilbaren
physischen
Krankheiten
dankbar
annehmen. So
werden wir
unsere
Anbetung von
Willy P.
unwissentlich
fortsetzen,
ohne eine
Ahnung davon
zu haben, daß
die
eindimensional-lineare
Zeit die Zeit
der
wirkkausalen
Notwendigkeit
ist, während
erst die
Offenheit der
dreidimensionalen Zeit, woran wir bisher nicht denken, uns die
Bewegungsfreiheit
bietet.
Eine
ausführliche
Darlegung
dieser
Gedankenlinie
ist im langen
Anhang zu
meinem Movement
and Time in
the Cyberworld enthalten.