12 February 2016

Gravitationswellen, Mathematik, Zeit

Diese Woche die Meldung aus dem Laser Interferometer Gravitational Wave Observatory, daß ein Jahrhundert nach ihrem theoretischen Entwurf durch Einstein die lange gesuchten sog. Gravitationswellen (Raumzeitkrümmung) nun endlich experimentell direkt nachgewiesen, d.h. gemessen, worden seien. Welch ein Durchbruch, den die Physiker weltweit stolz feiern! Denn, wie die Bundesforschungsministerin Johanna Wanka am 11.02.2016 der Presse mitteilte, "Diese Entdeckung öffnet ein neues Fenster zum Universum, das uns den Blick bis zurück zum Urknall erlaubt. Das ist eine Jahrhundertentdeckung".

So die Ansicht von innerhalb der Wissenschaft, die wohl auch korrekt ist und mit der unerlässlichen Grundlage moderner wissenschaftlicher Methode übereinstimmt. Und die moderne wissenschaftliche Methode selbst? Läßt sie sich experimentell nachweisen?

Wie wäre es mit der Einsicht, daß die durch und durch mathematisierte moderne Wissenschaft einschließlich der Relativitätstheorie sowie der Quantenphysik nur dasjenige experimentell feststellen kann, was sie im Voraus schon innerhalb gewisser ontologisch-wirkkausaler Grenzen vorentworfen hat? Denn der mathematisierte Zugang zur Welt bzw. zum Weltall ist einäugig begrenzt, als würde die Wissenschaft die Welt bloß durch ein Guckloch an einer Reeperbahn-Peepshow beobachten. Davon weiß die Wissenschaft allerdings nichts und darf auch nichts davon wissen, weil sie an die vierdimensionale Raumzeit (x,y,z,t) unbedingt glauben muß, um überhaupt Wissenschaft betreiben zu können und so zu sein. So muß etwa ein weltberühmter, hoch gefeierter theoretischer Physiker wie Stephen Hawking orthodox-dumm bleiben -- es gehört zur Stellenbeschreibung.

Die Crux ist, daß für 
die moderne Wissenschaft die Zeit selbst als eindimensional-linear entworfen werden muß, wie sie schon seit Platon und Aristoteles aufgefaßt worden ist. Von Anfang an haben die griechischen Philosophen in den Himmel nach dem sehr regelmäßigen Sternenumlauf geschaut und von dort her die regelmäßige Chrono-Meter-Zeit gezählt. So wurde die Zeit als die Zahl der regelmäßen Kreisbewegung verräumlicht, was sie bis heute bleibt, auch wenn mittlerweile die eindimensionale Zeit als Pfad des LIchts verräumlicht worden ist. Dabei wurde aus der diskret gezählten Zeit die kontinierliche, nicht-zählbare Zeit. Dies war nur möglich, weil eine Entsprechung zwischen der arithmetischen Zahl und dem geometrischen Punkt  fingiert wurde: So entstand schon bei Aristoteles der Zeitpunkt., der aber einen ontologischen Taschenspielertrick darstellt. 

So oder so -- ohne die eindimensional-lineare Zeit -- keine Wirkkausalität und keine Wissenschaft. So was wie Gravitationswellen können nur existieren, solange es diese vierdimensionale Raumzeit (x,y,z,t) (hermeneutisch) gibt. 

Und wenn die Zeit selbst als mehrdimensional-offen ontologisch-hermeneutisch entworfen wäre -- was den Phänomenen selbst eher entsprechen würde --, was wäre dann?? 
"Chaos!!'' schreit die Wissenschaft. Bereits Aristoteles auf dem Höhepunkt des ersten griechischen Anfangs hat _to symbebaekos_ -- d.h. das, was einfach so, zufällig anwest -- aus der Wissenschaft ausdrücklich verbannt. So wurde das vielfältige Wechselspiel der verschiedenen Bewegungen auf das logisch-wirkkausal Beherrschbare bis heute eingedämmt -- sogar in der Quantenphysik mit ihrem sog. "Unbestimmtheitsprinzip". Die Unbestimmtheit der Bewegung aber ist für einen offenen, durch die Wissenschaft nicht beschädigten Geist überall zu sehen! Dennoch bleibt die Wissenschaft beharrlich blind -- und muß es bleiben.

Daher folgendes Platon-Zitat, auf das ich neulich gestoßen bin:
_Palin toinun ex allaes archaes dei kath' heteran hodon poreuthaenai tina_ (Politikos 268d)
"Wiederum ist es nun notwendig, einen alternativen Weg aus einem anderen Anfang zu gehen."


Die moderne Wissenschaft muß diesen "
alternativen Weg" als 'irrationales Teufelszeug' scheuen. Gleichwohl muß man die Sprache der Mathematik gut beherrschen, um einen Ausweg zu finden trotz vielfältiger Anwürfe, dem Irrationalismus zu frönen.

Wenn man das Irrationale von Pythagoras her versteht, dann muß letztendlich eingeräumt werden, daß die Welt selbst in ihrem tiefsten (Ab-)Grund wie auch auf der Oberfläche irrational ist. Aber wer versteht schon heute die Konsequenzen davon, daß die Wurzel der Zahl 2 nie und nimmer gezählt werden kann? Daß immer eine Lücke zwischen dem Irrationalen und dem Rationalen bleibt und niemals durch Wissenschaft logisch geschlossen werden kann. Daß diese Lücke nicht verabscheuungswürdig, sondern vielmehr uns Menschen gerade angemessen ist. 

Vorausgesetzt, daß wir eines Tages lernen, mit dem alogischen Abgrund und mit dem irrational-tänzerischen Spiel, das wir miteinander um ihn spielen, im griechischen Sinne schön (_to kalon_) umzugehen.

Foxy Lady comin' to git ya!

Zur vertiefenden Lektüre: A Question of Time.

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